Warum mexikanischer Kaffee eine der am meist unterschätzten Herkünfte ist

Mexikanische Kaffeebohnen trocknen auf erhöhten Beeten in einer Kaffeeregion Mexikos in großer Höhe in Chiapas.

Wenn man in einem Specialty Coffee Shop steht und der Barista über die Herkunft des Kaffees spricht, fallen fast immer die gleichen Namen: Kolumbien, Äthiopien, Kenia, Guatemala. Mexiko wird selten erwähnt. Und das ist eigentlich kaum zu begreifen.

Denn Mexiko gehört seit Jahrhunderten zu den großen kaffeeproduzierenden Ländern der Welt. Das Problem liegt nicht in der Qualität, sondern in der mangelnden Anerkennung.

Mexikanischer Kaffee und die Regionen, auf die es ankommt

Mexiko verfügt über 49 Kaffeeregionen in 15 Bundesstaaten, doch der Löwenanteil der Produktion stammt aus vier Gebieten. Chiapas im Süden grenzt an Guatemala und liefert rund 31 Prozent des gesamten mexikanischen Kaffees. Veracruz und Puebla folgen mit respektvollem Abstand. Oaxaca ist zwar kleiner, aber bekannt für seine subtilen Geschmacksprofile mit leichter Säure und Noten von Kakao und Karamell.

Chiapas ist die aufregendste Kaffeeregion des Landes. Die Parzellen liegen auf 1200 bis 1800 Metern Höhe, der Boden ist vulkanisch und fruchtbar, und das Klima kombiniert Tageswärme mit kühlen Nächten. Diese Bedingungen sind ideal für Arabica. Mexikanischer Specialty Coffee stammt zum Großteil aus diesem Bundesstaat.

Mexikanische Kaffeebohnen trocknen auf Hochbeeten in einer Kaffeeregion in Chiapas.

Warum Mexiko im Spezialitätenmarkt unterschätzt wird

Ein Teil der Erklärung ist historisch bedingt. Jahrelang wurde der Großteil des mexikanischen Kaffees als anonyme Massenware exportiert, ohne Angabe der Herkunft oder des Farmers. Der Kaffee verschwand in großen Blends und niemand wusste, woher er kam. Manche Cafés verkauften jahrelang Kaffee aus Mexiko, während auf der Verpackung Kolumbien stand.

Doch das hat sich geändert. Eine neue Generation von Kaffeebauern und Importeuren setzt auf Direkthandel und Transparenz. "Cup of Excellence", das international anerkannte Qualitätsprogramm für Specialty Coffee, hat mittlerweile mehrere mexikanische Kaffees bewertet, die in den Top Ten landeten. Die Qualität war schon immer da, was fehlte, war die Geschichte dahinter. Und die wachsende Aufmerksamkeit für faire Kaffeepreise trägt dazu bei, dass Mexiko nun ernst genommen wird.

Kaffee aus Chiapas als Paradebeispiel

Chiapas grenzt an die guatemaltekische Kaffeeregion Huehuetenango – eine Region, die seit Jahren als eine der besten der Welt gilt. Wer sich mit Kaffee auskennt, weiß, dass diese Grenze willkürlich ist. Das Klima, die Höhe und die Bodenbeschaffenheit sind auf beiden Seiten vergleichbar. Der beste Chiapas-Kaffee kann problemlos mit dem mithalten, was Kolumbien oder Guatemala produzieren.

Mexikanische Kaffeebohnen trocknen auf Hochbeeten in der Hochregion Chiapas.

Was Chiapas auszeichnet, ist die Dominanz kleiner Familienbetriebe. Rund 95 Prozent der mexikanischen Kaffeeproduzenten bewirtschaften weniger als drei Hektar. Diese Kleinteiligkeit ermöglicht einen intensiven, sorgfältigen Anbau. Wie dieser Anbau funktioniert und wie er den Geschmack beeinflusst, wissen nur wenige. Mexiko produziert Weltklasse-Kaffee. Dass dies so lange unbemerkt blieb, hat mehr mit dem Handel als mit der Qualität zu tun.